Naturwissenschaft als Berufung?
Erkenntnisse über das Zusammenspiel naturwissenschaftlicher Identitäten und Karriereaspirationen
Liebe Leser*innen,
gehöre ich dazu? Diese Frage oder eine ähnliche stellen sich die meisten Menschen im Laufe ihres Lebens in unterschiedlichen Situationen: Das Kind, das gemeinsam mit anderen spielen möchte, Jugendliche, die in einer Klassengemeinschaft lernen, Erwachsene, die sich einer Berufsgruppe zugehörig fühlen möchten oder Personen, die während ihrer Freizeit in einem Verein Sport treiben oder im Chor singen. Wer ein Zugehörigkeitsgefühl empfindet und sich mit einer Gruppe identifiziert, kann sich sicherer im Leben bewegen. Ein klares Identitätsgefühl erleichtert die Interaktion mit anderen und kann als Orientierung bei Lebensentscheidungen dienen. Eine zentrale Frage der Bildungsforschung ist, unter welchen Bedingungen sich junge Menschen für eine Karriere im Bereich Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften oder Technik – kurz MINT – entscheiden. Dabei spielt das Selbstbild eine entscheidende Rolle: Fühle ich mich MINT zugehörig? Habe ich eine MINT-Identität? Diese Fragen sind nicht nur angesichts des Fachkräftemangels relevant, sondern haben auch Bedeutung im Hinblick auf die Förderung gerechter Chancen und gesellschaftlicher Fairness. So gibt es Gruppen, die sich traditionell eher nicht in einem MINT-Beruf sehen, wie z. B. Mädchen. Denn viele MINT-Bereiche werden – häufig unbewusst und ungewollt – als eher männlich wahrgenommen. Da dies auch viele Mädchen so empfinden, fühlen sich Schülerinnen von einigen MINT-Fächern oft weniger angesprochen als von anderen Unterrichtsfächern.
Auf dieser Themenseite stellen wir Ausgabe 12 des IPN Journals vor, die sich mit Fragestellungen zur MINT-Identität befasst. Die Entwicklung einer MINT-Identität wird von unterschiedlichen Faktoren beeinflusst. Dazu zählen unter anderem das Geschlecht, die Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe, die familiäre Unterstützung, schulische Förderung, gesellschaftliche Überzeugungen und auch individuelle Interessen und Kompetenzen. Ein besonderer Fokus der Arbeitsgruppe liegt auf dem Aspekt der Marginalisierung. In diesem Kontext geht es unter anderem um die zentrale Frage: Haben alle Kinder und Jugendlichen dieselben Möglichkeiten, eine MINT- Identität auszubilden?